Micro Futures - traden mit kleinen Konten

Screenshot TWS Handelsplattform Der Handel mit Futures ist die Königsklasse des Tradings, professionelle Händler setzen hauptsächlich auf dieses Instrument. Einige Handelsstrategien, wie das Volumentrading und der Orderbuchhandel, sind nur mit Futures möglich. Viele Tradinganfänger halten Futures aber für kompliziert, riskant und nur für große Konten geeignet. Sie setzen beim Daytrading mit Aktienindizes meist auf Differenzkontrakte (CFDs).

Durch die zu hinterlegende Sicherheitsleistung war dieser Weg bisher tatsächlich nur für Händler mit größeren Handelskonten möglich. Das Problem wurde von der Terminbörse CME bereits 1997 erkannt, damals wurden die e-Mini Futures eingeführt. Sie teilten zum Beispiel den Marginsatz und den Tickwert des "großen" S&P Futures um den Faktor 50. Durch den starken Anstieg des S&P wurde aber auch das für viele kleine Trader zu viel.

Das ändert sich nun - ab Mai 2019 führt die amerikanische Terminbörse CME Micro Futures auf vier bekannte US Aktienindizes ein. Da der Handel auf Indizes bei Tradern sehr beliebt ist, hat sich die CME Group zu diesem Schritt entschlossen. Es gab schon seit 2010 einen E-micro Future Kontrakt auf Gold. Der offizielle Name der Produktfamilie ist Micro E-minis. Durch stark reduzierte Marginsätze im Verhältnis 10:1 zu den bisherigen Mini Kontrakten werden Futures nun für Trader mit kleineren Konten handelbar. Das erlaubt Trading Anfängern, eine Alternative zu CFDs zu handeln. Durch die kleinere Stückelung der Micro E-mini Futures ist für Fortgeschrittene ein feineres Management der Positionsgrößen möglich. Damit können nun sehr gut Positionen zur Absicherung (Hedging) von Aktienportfolios aufgebaut werden.

Zum Start am 06. Mai 2019 wurden folgende Produkte angeboten:

  • Micro E-mini S&P 500 Futures
  • Micro E-mini Nasdaq-100 Futures
  • Micro E-mini Dow Futures
  • Micro E-mini Russell 2000 Futures

Auf diesen Webseiten möchte ich Ihnen die Micro Futures vorstellen und Ihnen darüber hinaus noch viele Grundlagen des Futurehandels erklären. Da die Instrumente Anfang Mai 2019 eingeführt wurden, sind diese Seiten recht neu und werden mit der Zeit wachsen.

Micro E-mini Futures Kontraktspezifikationen

Micro Futures in der Trader Workstation TWS Im Screenshot sehen Sie die vier neuen Micro Futures in einem Tradingprogramm. Das Beispiel stammt aus der TWS, der Trader Workstation. Diese beliebte Handelsplattform wird von Future Brokern kostenfrei angeboten. Jede Zeile beginnt mit dem Symbol des Kontraktes, dann folgen Verfallsmonat und Handelsplatz. Aus Platzgründen werden in dieser Darstellung die Kürzel verwendet, die Sie in untenstehender Tabelle finden.

Wie bei jedem Future gibt es auch für die Micros einige Parameter, die Sie als Trader kennen müssen. In der folgenden Tabelle habe ich die wichtigsten Werte zusammengefasst. Die Dollarwerte für die Marginsätze sind aufgrund der Indexstände von Anfang Mai 2019 als Beispiel angegeben. Daran sehen Sie, dass diese deutlich niedriger sind als bei den Mini Futures. Die Größe Ihres Kontos sollte nun kein Hindernisgrund für den Futureshandel mehr sein. Faustregel: Alle Werte werden im Verhältnis 10:1 im Vergleich zu den Minis geteilt. In einem Grundlagenartikel finden Sie eine ausführliche Erklärung zu Margin und Hebel. Ein Unterschied zu den Minis ist, dass es auf die Micros keine Optionen gibt.

Micro Futures Spezifikationen
Micro e-Mini S&P 500 Micro e-Mini Dow Micro e-Mini Nasdaq 100 Micro e-Mini Russel 2000
Kürzel MES MYM MNQ M2K
Handelsplatz CME Globex CBOT E-Cbot CME Globex CME Globex
Punkt Wert $5,00 $0,50 $2,00 $5,00
Min. Tick 0,25 Punkte = $1,25 1,00 Punkte = $0,50 0,25 Punkte = $0,50 0,10 Punkte = $0,50
Initial Margin $690 $649 $836 $391
Maintenance Margin $630 $590 $760 $355

Punktwert meint, wieviel Sie gewinnen oder verlieren, wenn der zugrunde liegende Index sich um einen Punkt nach oben oder unten verändert. Außer beim Dow Future kann das bei den anderen drei auch in Bruchteilen passieren, das sehen Sie in der Spalte "Min. Tick". Dort finden Sie zusätzlich die Umrechnung für diese minimale Bewegung in US Dollar. Alle Micro Futures sind "Cash Settled", die Lieferung erfolgt durch Barausgleich. Die verfügbaren Verfallsmonate sind März, Juni, September und Dezember. Stichtag ist jeweils der dritte Freitag in einem Monat.

Wie Sie in obiger Tabelle sehen, sind besonders die reduzierten Margin Sätze und Tickwerte interessant. Je nachdem welchen Futures Broker Sie verwenden, kann die Minimumgröße des Handelskontos höher sein. Diese Informationen finden Sie auf der Homepage Ihres Brokers.


Gut zu wissen: Die in den USA gültige und auch für deutsche Trader in US Werten verbindliche "Pattern Daytrader Rule" (PDT), die ein Kontominimum von 25.000 US Dollar für Daytrader verlangt, gilt nicht für den Futureshandel auf Indizes! Die Regel gilt nur für den Handel mit Aktien und Derivaten darauf. Das bezieht Aktienoptionen und "Single Stock Futures", das sind Futures auf Aktien, ein. Wenn Sie nur die neuen Micro Futures auf Indizes handeln, so betrifft Sie diese Regel nicht. Sollten Sie aber im selben Konto irgendwann Aktien oder Derivate darauf handeln, so kann Ihr Konto unter die Beschränkungen der PDT Rule fallen.


Die Underlyings

Abacus

Ein Aktienindex besteht aus mehreren Aktien, die als repräsentativ für einen Markt oder ein Segment angesehen werden. Aus den Kursen dieser Aktien wird der Indexstand berechnet. Die Preisentwicklung der Indexfutures richtet sich nach diesen Ständen. Daher kommt der Name "Derivat": Die Kurse hängen von einem anderen Wert, dem sogenannten "Underlying" ab.

In folgender Tabelle sind die Aktienindizes aufgeführt, auf welche sich die Micro Index Futures beziehen. Die bekanntesten Indizes sind der Dow Jones und der S&P 500. Der Nasdaq-100 ist der Index der gleichnamigen Technologiebörse, im Russell 2000 sind kleinere Nebenwerte vertreten. Außer dem Dow sind alle anderen vom Typ Kursindex, dass bedeutet das von den Unternehmen gezahlte Dividenden nicht zur Berechnung des Index verwendet werden. Beim Dow Jones als Performanceindex werden diese miteingerechnet.

Dazu kommt ein weiterer Unterschied des Dow. Die 30 Aktien, die in ihm zusammengefasst sind, werden nach Preis gewichtet. Die Aktie mit dem höchsten Preis hat den größten Einfluss auf den Index. Im S&P, Nasdaq-100 und Russell 2000 hingegen wird als Gewichtungsfaktor die Marktkapitalisierung der enthaltenen Unternehmen verwendet.

E-micro Mini Underlyings
Index Kürzel Index Name Index Typ Gewichtung Anzahl Aktien
DOW Dow Jones Industrial Average Performanceindex Preisgewichtet 30
S&P 500 Standard & Poor’s 500 Kursindex Marktkapitalisierung 500
NASDAQ Nasdaq Composite Kursindex Marktkapitalisierung 100
RTY Russel 2000 Kursindex Marktkapitalisierung 2.000

Micro E-mini Handelszeiten

Die neuen Micro Kontrakte werden zu denselben Zeiten gehandelt wie die größeren Kontrakte. Das sind fast 24 Stunden am Tag, mit einer kleinen Unterbrechung zwischen 15:15 bis 15:30 Uhr Ortszeit. Chicago liegt in der Winterzeit in der Zeitzone CST (Central Standard Time), in der Sommerzeit heißt die Zeitzone CDT (Central Daylight Time). Das entspricht -7 Stunden zu Deutschland. Am Freitag ist um 22:15 Uhr Handelsschluss. Am Samstag wird nicht gehandelt, aber am Sonntag öffnet der Markt wieder um 17:00 Uhr Ortszeit (00:00 Uhr deutsche Zeit).

Micro Futures Handelszeiten
Chicago Zeit Deutsche Zeit
Handelsphase 1 00:00 - 15:15 Uhr 07:00 - 22:15 Uhr
Handelsphase 2 15:30 - 00:00 Uhr 22:30 - 07:00 Uhr


Allerdings schwanken die Umsätze des Marktes stark im Verlauf der Handelsperiode. Während der Öffnungszeit der großen US Parkettbörse NYSE, zwischen 15:30 und 22:00 Uhr deutscher Zeit, ist die Liquidität am höchsten. Dort bieten sich für aktive Trader die besten Chancen, die Volatilität auszunutzen. Für das Daytrading sollten Sie sich auf diese zeit beschränken, beim Swingtrading ist die Zeit nicht ganz so wesentlich.

Forex und Rohstoff Micro Futures

Schon vor der Einführung der Kontrakte auf Aktienindizes gab es weitere Micro Futures. Basisinstrumente sind einige beliebte Währungspaare und Gold. In folgender Tabelle finden Sie diese in der Kurzübersicht. Forex steht für "Foreign Exchange". Der E-micro Gold Future ist eine gute Möglichkeit, am Rohstoffmarkt aktiv zu werdwen.

Bisherige Micro Futures
KlasseUnderlyingSymbol
RohstoffGoldMGC
ForexEUR / USDM6E
ForexAUD / USDM6A
ForexCAD / USDMCD
ForexGBP / USDM6B
ForexJPY / USDMJY
ForexCHF / USDMSF
ForexINR / USDMIR
ForexUSD / CNHMNH

Micro Futures versus CFDs

Broker am Telefon

Der große Vorteil des Futurehandels ist, dass Sie dort echte Volumendaten bekommen. Der CFD Handel erfolgt hausintern beim Broker, die in der Tradingplattform anzeigten Volumendaten sind nicht aussagekräftig. Damit ist kein echtes Volumentrading möglich. Indikatoren, die das Volumen mit einbeziehen, verlieren ihre Aussagekraft. Ein Orderbuchhandel ist bei CFDs ebenfalls nicht möglich, bei Futures dagegen schon.

Die Terminbörsen bieten Ihnen eine zentrale Gegenstelle, die immer der Vertragspartner jedes Trades ist. Dies nennt man CCP - Central Counterpart. Damit ist die Ausfallwahrscheinlichkeit Ihres Gegenübers nahzu bei Null. Beim CFD oder Forextrading ist der Handelspartner Ihr Broker. Sie tragen neben den Risiken des Tradings ein Emittentenrisiko. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es dort eine sehr reale Möglichkeit einer Pleite gibt.

Für das CFD Trading spricht, dass Sie dort eine größere Auswahl an Handelsinstrumenten haben. Bisher gibt es noch keine Micro Futures auf Öl, Gold und andere Commodities. Es ist aber davon auszugehen, dass bei einem Erfolg der Micro Produkte auf die vier Indizes bald weitere Underlyings folgen werden. Da in den USA der Handel mit CFD verboten ist, eröffnen sich ganz neue Kundengruppen. Bei einigen CFD Brokern können Sie mit Micro oder Nano Konten bis in den Cent Bereich für den Tickwert gehen. Das ist für das Erlernen des Tradings interessant, für den realen Handel aber nicht wichtig.

Risiken beim Futureshandel

Der Handel mit Derivaten ist riskant und nicht für Jeden geeignet. Die Bewegungen in den Indizes kann sehr schnell sein, zum Beispiel nach der Veröffentlichung von wichtigen Wirtschaftsdaten. Diese übertragen sich sofort auf die Micros, hier sind neben schnellen Gewinnen auch schnelle Verluste möglich. Fangen Sie erst mit dem Handel an, wenn Sie das Prinzip und die Berechnungen von Margin, Gewinn und Verlust komplett verstanden haben.

Denken Sie immer daran, dass Sie anfangs nur eine kleine Sicherheitsleistung hinterlegt haben. Gegebenenfalls müssen Sie bei starken Bewegungen, die gegen Ihre Handelsposition laufen, einen Nachschuss leisten. Berechnen Sie vor jedem Trade das mögliche Risiko. Deswegen sollten Sie auch bei der Vorbereitung des Handelstages wichtige Ereignisse und Termine notieren, damit Sie nicht von plötzlicher Volatilität überrascht werden.

Arbeiten Sie innerhalb eines Handelstages immer mit Stop Loss Limits, um das Risiko zu begrenzen. Wenn Sie kein Daytrader sind, der alle Positionen am Tagesende schliesst, haben Sie ein Gap Risiko. Das bedeutet, dass der Index auf den sich Ihr Future bezieht am nächsten Tag mit einer unerwarteten Kurslücke nach oben oder unten eröffnen kann. Durch den durchgehenden Handel an der CME und CBOT wird dieses Risiko entschärft. Ihre Limits müssen aber für die Zeit, in der Sie nicht am Rechner sitzen, angepasst werden.

Die Handelsplätze CME und CBOT

Trader auf dem Floor

Die Chicago Mercantile Exchange (CME) zählt zu den ältesten Börsen der Welt, gegründet wurde sie 1898. Schon im Jahr 1992 wurde dort der erste elektronische Handelsplatz eröffnet. Er heißt CME Globex Trading System, oder kurz Globex. Gehandelt werden Futures und Optionen auf viele Basiswerte, neben den Indizes auch auf Dinge wie Gold, Orangensaft, Zucker, Kaffee und vieles weitere. Das Handelsvolumen ist sehr hoch und bietet gute Chancen für Trader. Der Handel erfolgt vollautomatisch ohne menschliches Zutun, deswegen sind die Ausführungen extrem schnell.

Die Chicago Board of Trade (CBOT) wurde sogar 50 Jahre vorher gegründet, im Jahre 1848. Sie ist die älteste Terminbörse der Welt. Im Sommer 2007 haben sich die CME und die CBOT zur CME Group zusammengeschlossen. Das elektronische System der CBOT hat den Namen e-CBOT. Es hat den klassischen Parketthandel fast völlig verdrängt. In diesem System wird der Micro e-Mini DOW Future gehandelt.

Mehr Informationen zu den beiden Börsen finden Sie auf der CME Group Homepage. Falls Sie mal in Chicago sind, können Sie auch an einer Führung teilnehmen.

Fazit

Durch das ständige Anwachsen der Indexstände sind die bisher gehandelten Futures Kontrakte für viele Trader nicht attraktiv gewesen. Dank der Micro Futures hat sich das geändert. Wenn das Handelsvolumen wie erwartet hoch wird und die Futuresbroker ihre Konditionen anpassen, dürften die neuen Produkte auf starkes Interesse stoßen. Wenn Sie aktuell noch CFDs auf Indizes handeln, sollten Sie sich einen Umstieg überlegen. Das kann eine gute Gelegenheit sein, neue Handelsstrategien wie das Volumentrading und den Orderbuchhandel zu lernen.

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