Futures Grundlagen

Professionelle Trader handeln meistens mit Futures, so gut wie nie mit Zertifikaten oder CFDs (Contracts for Difference). In diesem Artikel zeige ich Ihnen die Grundlagen und gebe Tipps für den Handel.

Was sind Futures?

Futures Trader vor Charts

Der Ursprung des Futurehandels lässt sich bis in das 17.te Jahrhundert zurückverfolgen. Damals suchten Landwirte eine Möglichkeit, sich gegen unerwartete Preisschwankungen ihrer Güter abzusichern. Stellen Sie sich vor Sie sind ein Bauer, der seine Felder bepflanzt und in einigen Monaten die Ernte einbringen wird. Sie kennen nur den aktuellen Preis, den Sie am Markt für Ihre Ware erzielen können. Außerdem kennen Sie die Durchschnittspreise der letzten Jahre. Das erlaubt Ihnen eine Schätzung, aber aufgrund von nicht vorhersehbaren Ereignissen kann sich der Preis jederzeit ändern. Das erschwert Ihre Planung. Umgekehrt geht das auch dem potentiellen Käufer so. Er kann nicht vorhersagen, was er für die Ware in einigen Monaten bezahlen muss.

Wenn Sie als Verkäufer mit dem Käufer einen Vertrag schließen, der den Käufer an einem bestimmten Tag zur Abnahme der Ware und Sie zur Lieferung zu einem festgelegten Preis verpflichtet, dann gewinnen beide Vertragsparteien Planungssicherheit. Da das Geschäft auf die Erfüllung in der Zukunft ausgerichtet ist, nennt man sowas einen "Forward".

Im obigen Beispiel gibt es ein Problem. Der Vertrag kann jeweils individuell ausgehandelt werden, die Ware, die Menge und der Zeitpunkt werden immer neu verhandelt. Das erschwert das Weiterverkaufen des Vertrags an Andere. Deswegen hat man mit den Futures alle wichtigen Parameter des Deals standardisiert: Art der Ware, Zeitpunkt der Lieferung und Preis. Ein Future ist also ein "standardisierter Forward".

Für Sie als Landwirt ist der Future eine Versicherung gegen fallende Preise. Denken Sie daran, dass Sie zur Lieferung der vereinbaren Ware zum festgelegten Preis verpflichtet sind. Wenn am Ende der Laufzeit die Preise am Markt niedriger sind, dann freuen Sie sich als Verkäufer. Der Käufer dagegen wird sich ärgern, da er mehr zahlen muss, als die Ware am Markt kosten würde.

Was ist wichtig bei einem Future?

Man hört häufig das Vorurteil, dass Futures kompliziert zu verstehen sind. Wenn Sie einen Future handeln, dann wird dieser durch sehr wenige Parameter definiert. Dies sind viel weniger als zum Beispiel bei Zertifikaten. Das kommt durch die hohe Standardisierung. Bevor Sie einen Future long oder short handeln, prüfen Sie einfach folgende Liste.

Das Underlying

Das Underlying, auf Deutsch "Basisinstrument", ist die Basis für die Berechnung des Futurekurses. Die Preisentwicklung des Futures ist davon abhängig, deswegen wird ein Future auch als "Derivat" bezeichnet. Bei den E-micro Mini Futures sind das derzeit die Aktienindizes Dow Jones, Nasdaq 100, S&P 500 oder Gold.

In Ihrem Tradingprogramm werden die verschiedenen Underlyings meist mit einem kurzen Buchstabencode dargestellt. Prüfen Sie, ob Sie wirklich den korrekten Kontrakt ausgewählt haben, da einige Kürzel sehr ähnlich klingen.

Die Laufzeit

Taschenuhr

Futures haben eine begrenzte Laufzeit, sie verfallen an einem vorher festgelegten Tag. Für die Microfutures sind das vier Termine im Jahr, die Sie im Verfallskalender finden. In Ihrer Handelssoftware wird das oft nach dem Symbol des Futures genannt, zum Beispiel "MES Jun21'19". Gemeint ist der Micro e-Mini S&P 500 mit Verfall am 21. Juni 2019.

Das ist der letzte Handelstag, danach verfällt die Position wertlos. Behalten Sie unbedingt die Verfallstermine Ihrer Positionen im Auge, um Sie gegeben falls kurz vorher zu schließen. Wenn Sie den Kontrakt schließen und sofort mit einer längeren Laufzeit wieder eröffnen, nennt man das "rollen". Das Prinzip ist sehr wichtig, deswegen erscheint demnächst ein eigener Artikel dazu.

Margin

Margin meint die Summe, die Sie zur Tätigung eines Futuresgeschäfts oder anderer Termingeschäfte hinterlegen müssen. Das ist nur ein bestimmter Bruchteil des Gesamtwerts des gehandelten Kontrakts. Er wird von der Börse bestimmt und ist für jedes Underlying unterschiedlich. Von Zeit zu Zeit legt die Börse neue Marginsätze fest.

Man unterscheidet zwischen Initial Margin und Maintenance Margin. Initial Margin bezeichnet die Summe, die Sie zur Eröffnung des Geschäfts mindestens auf dem Konto haben müssen. Mit der Maintenance Margin, ab und zu auch Variation Margin genannt, wird die Summe bezeichnet, die Sie beim Halten über Nacht erbringen müssen. Die Hinterlegung wird durch Ihren Broker überwacht. Falls Sie nicht genug Geld zur Eröffnung der Position auf dem Konto haben, wird der Trade blockiert. Wenn Sie die Positionen längerfristig halten und der Betrag nicht für die Maintenance Margin ausreicht, wird Ihr Broker Sie zur Nachschußzahlung auffordern. Diesen Vorgang nennt man "Margin Call".

Der Punktwert

Dalmatiner

Die zugrundeliegenden Underlyings, im Falle der neuen E-micro Futures sind das vier Aktienindizes, werden in Punkten notiert. Der Punktwert gibt an, wieviel ein Punkt Bewegung im Aktienindex im Future wert ist. Der Wert wird von der Terminbörse festgelegt. Wenn Sie long positioniert sind und der Index bewegt sich nach oben, ist das Ihr Gewinn pro Punkt. Wenn Sie short sind, ist das Ihr Verlust bei einer Bewegung nach oben.

  • Micro e-Mini S&P 500 (MES): $5,00
  • Micro e-Mini Dow (MYM): $0,50
  • Micro e-Mini Nasdaq 100 (MNQ): $2,00
  • Micro e-Mini Russel 2000 (M2K): $5,00

Sie können mit einem Future auf Preisbewegungen des Underlyings in beide Richtungen spekulieren. Wenn Sie denken, dass der Index steigt, dann kaufen Sie den Futurekontrakt. Wenn Sie denken, dass er fällt, dann verkaufen Sie ihn, ohne ihn vorher zu besitzen. Das nennt man "shorten". Sie können jederzeit Ihre Position schließen, indem Sie das Kontrakt verkaufen wenn Sie long sind oder kaufen, wenn Sie short sind.

In der folgenden Tabelle sehen Sie das Prinzip nochmals dargestellt.

Sie sind long Sie sind short
Index steigt Sie gewinnen den Punktwert pro Indexpunkt Sie verlieren den Punktwert pro Indexpunkt
Index fällt Sie verlieren den Punktwert pro Indexpunkt Sie gewinnen den Punktwert pro Indexpunkt


Der Tickwert

Die Wertveränderung ist aber nicht nur in ganzen Punkten möglich, es gibt auch Bruchtteile davon. Als "Tick" wird die kleinstmögliche Veränderung des Preises bezeichnet. Auch diese sind von der Börse fest definiert und ändern sich nicht. Hier sind die Festlegungen für die wichtigsten E-micro Minis, alle Angaben sind wieder in US Dollar.

  • Micro e-Mini S&P 500 (MES): 0,25 Punkte = $1,25
  • Micro e-Mini Dow (MYM): 1,00 Punkte = $0,50
  • Micro e-Mini Nasdaq 100 (MNQ): 0,25 Punkte = $0,50
  • Micro e-Mini Russel 2000 (M2K): 0,10 Punkte = $0,50

Der Hebel

Um einen Future zu handeln, müssen Sie nur einen kleinen Teil des kompletten Werts hinterlegen. Dies haben Sie bereits oben im Abschnitt "Margin" gelernt. Dies führt dazu, dass sich Bewegungen des Underlyings in Ihrem Konto bezogen auf Ihren Kapitaleinsatz verstärken. Den Hebel errechnen Sie, indem Sie den Kontraktwert durch die benötigte Margin teilen.

Hebel - Beispielrechnung

Diagramme

Nehmen wir an, dass der Dow Jones bei 26.500 Punkten steht. Sie handeln den E-mico Mini Dow Future (MYM). Die Börse hat einen Initial Margin Satz von 4.90% festgelegt, das sind 1.274 US Dollar. Durch den Multiplikator des Futures von $0.50 ergibt sich eine Margin Summe von $637. Wenn man nun 13.250 (Indexstand mal Multiplikator) durch 637 teilt, erhält man 20,8. Das bedeutet, dass ein Prozent Änderung im Futureswert einen Änderung von 20,8% bezogen auf Ihren Kapitaleinsatz ergibt.

Rechnen wir die Gegenprobe: Wenn sich der Dow Jones beim Stand von 26.500 um 1% bewegt, sind das 265 Punkte. Wie Sie in der Tabelle Kontraktspezifikationen auf der Startseite sehen, ist 1 DOW Punkt im Micro Future $0,50 wert. Die Änderung in Ihrem Konto beträgt also $132.50. In Prozent gesehen sind 137,50 von 637 dann die vorher errechneten 20.8%.